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Philipp Hänger
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Turn of the Era - Deutscher Franken
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03 |
Währungen sind nicht nur nüchternes Zwischengut im Tauschhandel, sondern immer auch über ihren Gegenwert Gradmesser Ufer den Zustand einer Wirtschaft, Gegenstand von Glücksgefuehlen, Habgier, Neid, Angst und Status. Das Werk bringt dieses Gefüge durcheinander, indem an Ort und Stelle eine Übergangswaehrung gedruckt wird, die Ufer die Dauer der Ausstellung einen zeitlich begrenzten Zusammenbruch der Wirtschaft simuliert. Der Wechselkurs ist willkürlich, die Auflage theoretisch unbegrenzt, einen materiellen Gegenwert gibt es nicht. Der Anfang vom Ende und auch vom Neubeginn. |
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Hänger - Stettler Heidelberger Tiegel, Pergament, Druckfarbe Performance Ruedi Staub Masse variabel 2011
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Turn of the Era
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05 |
Das ungleiche Künstlerpaar spielt mit Zuckerbrot und Peitsche. Einerseits wird der Untergang beschworen, anderseits bieten sie im gleichen Zug lächelnd die helfende Hand an. Sie legen nicht dar, ob sie es nun ernst meinen oder nur mit unseren Ängsten spielen. Dies mag einerseits aus der Konstellation ihrer Zusammenarbeit entstehen, aber es steckt mit Sicherheit ein Funke Wahrheit von beiden, in beidem. Sie stützen sich auf Tatsachen, welche seit Monaten in aller Munde sind, aber wobei niemand weiss, ob man nun Angst haben muss oder einfach mal abwarten soll. Sie nehmen diese Entscheidung vorweg, indem sie den Zeitpunkt von den vagen Prognosen in ein handfestes Datum verwandeln und schicken sich dann an, mit ihrer Ausstellung den schweren Moment der Trennung vom Alten so angenehm wie mšglich zu machen. Soll man ihnen glauben?
Ein Grundthema der Ausstellung ist sicherlich die Frage nach Ursprüngen, nach Wirklichkeit und Fehlglaube. Dies ist in den Exponaten selber sichtbar, welche den Kitsch als Medium einer versteckten Authentizität gegenüberstellen. Viele Werke beweisen ihren Wahrheitsgehalt erst auf den zweiten Blick, während die Oberfläche offensichtlich irrige Botschaften vermittelt. Eine Jesusfigur folgt klaren Regeln der Wiedererkennbarkeit, ikonografische, sowie physiognomische. Bruno Stettler und Philipp Hänger haben sich aber nicht einfach für die einfache Kopie entschieden, sondern einen Abdruck von der dem gesuchten Abbild am nächsten stehende, lebende Person. Die Echtheit einer Jesusstatue ist einfach anzuzweifeln, sie gar als Kitsch anzuklagen, ist ebenso einfach geschehen. Die hinter dem Werk versteckte, unbestreitbare Echtheit eines Bruno Würtenberger ist trotzdem da und spielt diesem Gedanken entgegen. Seine Anwesenheit an der Eröffnung der Ausstellung zeugt davon. Kitsch versucht immer, auf der Oberfläche echt wirken zu lassen, was nicht echt ist. Turn of the Era zeigt dagegen das umgekehrte Trompe l oeil. So ist das oberflächliche Urteil immer ein Irrglaube, die Wahrheit lauert im Hintergrund und muss erst entdeckt werden. Dies bezieht sich nicht nur auf die spielerischen Elemente der Ausstellung, sondern zieht sich durch die gesamten Werke durch. Kein Kunstwerk ist Kopie, jedes einzelne wurde durch Menschen hergestellt, die sich durch erstaunlicher Hingabe zu und hinter ihrer Arbeit stehen. Jeder Einfluss war gezielt ausgewählt, sodass jedes Werk Produkt eines vielschichtigen Arbeitsprozesses wurde, welcher jedem Werk eine unumstössliche Echtheit verleiht.
Das Geld mag falsch sein, die Maschine ist jedoch echt, der Buchdrucker auch, der weltpolitische Hintergrund ebenso. Solche Konstruktionen rahmenübergreifender Sinnfrage zeigen deutlich auf, wie sehr die Ausstellung auf das Spiel mit der Suggestion, der Ernsthaftigkeit und der Frage nach der Echtheit der Berichte zielt. Wissen die, von was sie reden oder sind wir bloss Zeuge einer Provokation? Sind wir bloss etwas verunsichert oder ist die Bedrohung etwa echt? Man kann den grundsätzlichen Gedanken kaum abstreiten, doch wie sicher nun was genau zutreffen wird, darauf hat niemand eine Antwort. Vielleicht wird sich alles in Luft auflösen, die begonnenen Rettungsversuche führen zum Erfolg und die Krise wird abgewendet. Oder aber wir werden alle Zeugen einer grundlegenden System-Notbremse. Doch auch wenn sich alles als vorschnelle Panik herausstellt, so sind die Forderungen nach Fehlerkorrekturen noch da. Gewisse Probleme stellen sich auch noch, wenn wir nicht mehr am Abgrund stehen und genau davon handelt Turn of the Era. Eckpunkte werden angesprochen, ihre Komplexität in Bezug auf Wirklichkeit und Trugschluss hervorgehoben, aber das finale Urteil wird dem Betrachter überlassen. Dieser Frage weicht die Ausstellung zwar bewusst aus, doch die Künstler haben sich ihr gestellt müssen (siehe Interview).
Natürlich stellt sich die Frage, ob Turn of the Era eine rein politische Ausstellung ist. Die Botschaften sind klar und richten sich an die Gesellschaft und ihre Irrglauben. Diese werden durch den Titel und die Werke selber als obsolet angeklagt und der Ruf nach einer Neuordnung wird laut. Man darf hier nicht vergessen, dass eine solche kunstinduzierte Meinungsäusserung aber auch immer nur das ist: eine Meinung. Turn of the Era fordert durch ihre offene Form die Betrachter dazu auf, sich am Diskurs zu beteiligen, die bietet bloss den Rahmen für eine in die Ausstellung eingebettete Suche nach der neuen Form des menschlichen Zusammenlebens. Gestützt durch die Medienberichte über den Zustand der Weltwirtschaft gibt es dazu allen Grund. In solchen Situationen findet man sich plötzlich in der luxuriösen Situation, die postapokalyptische Welt aktiv mitgestalten zu kšnnen. Bruno Stettler und Philipp HäGer bieten dazu nur die Grundlage, den Denkanstoss und vermitteln eine andere, ebenso klare Botschaft: Es wird weiter gehen, es ist nicht zu Ende, schliesslich befindet man sich bloss an einem Wendepunkt, wie es schon mehrfach geschehen ist und es wird mit Sicherheit auch nicht der letzte gewesen sein. Das ist sehr unpolitisch, es ist zutiefst pragmatisch.
Bruno Stettler und Philipp Hänger spielen oft mit den Assoziation und Gefühlen, welche mit ihren Objekten verbunden sind, indem sie sich einer Reihe von ikonischen Zeichen bedienen. Geld, Drogen, Religion, alte und neue Gözen, spirituelle Anordungen, Zeichen wie Herzen, Kreuze und so weiter. Dinge, auf die sich die Menschen oft verlassen und als Eckpfeiler ihrer Existenz sehen oder zumindest als Quell der Hoffnung und, falls dies nicht funktioniert, als Flucht aus der Realität. Das Ganze erhält einen Unterton der Ironie aber auch der Anklage, wenn all diese auf ein und demselben Ort versammelt sind. Die Ansammlung ist nicht nur eine Entlarvung der Gesellschaft, sondern schafft auch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. denn kaum jemand wird frei von all diesen Oberflächlichkeiten sein. Und wenn jeder gleich unter Verdacht steht, ist es das Gewirr nicht mehr zu lösen. Dann gibt es nur noch den Neuanfang. |
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Text Jonas Egli
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Absolute Beginners
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06 |
Ausstellung Offspace Hinterhof Basel 2010 |
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Manueller Transferdruck Holz, Gips, Lack 160x115cm 3x95x115cm 2011
Während gängige Superhelden ihre verdiente Freizeit auf einem aus marsianischem Katzenstreu bestehenden Planeten verbringen, bleibt unsereins nur die Möglichkeit, fraglich heldenhafte Gefahrensituationen auf irdischen Flugplatzlandebahnen künstlich zu provozieren. Die Rüstungen gleichen sich auffällig, die Rettung müssen dann aber andere übernehmen.
Was hier abwegig scheint, ist nichts als die Wirklichkeit. Keiner der Plastik gewordenen Fantasien erwachsener Kinder würde das Rennen um Nichts als ein wenig Prestige mit der gleichen Bewunderung goutieren, mit welcher wir manche unserer unsinnigsten Tätigerten belohnen. Es scheint geradezu absurd, mit welcher Begeisterung die normalsterbliche Erdbevšlkerung die Suche nach spektakulŠrer Sinnlosigkeit vorantreibt. Somit muss sich das, was Buzz Lightyear und Konsorten beruflich veranstalten weniger der Frage nach dem Sinn aussetzen als der Gummirauch auf der Landebahn. Sonntägliche Pilgerfahrten dicker Sofahelden in unföReigen T-Shirts, die sich an der Gefahr anderer ergöZen. Sie sind Teil einer Kultur,
wo echte Menschen unechte Heldentaten vollbringen und falsche Helden echte Taten. Niemand lŠsst sich vom Echtheitsanspruch von Comicfiguren täuschen, jeder halbwegs denkfŠhige Knirps begreift schnell, dass WeihnachtsmŠnner, Osterhasen und Ninja Turtles nicht ganz so real sind, wie wir sie haben wollen und dass der Wurststand am Rande der Rennbahn einfach nur am näochsten daran ist, was mit dem Verlust der Comic gewordenen Vorbilder verloren gegangen ist, ohne dass man zu grösserer Anstrengung genötigt würde.
Die Helden der Kinderzimmer verkünden grinsend von ihrer moralischen Überlegenheit oder drehen uns den Rücken zu, als wäre all das Geschwädz für sie nichts als Schall und Rauch. Sie haben zu tun, und es wird jeder Ungläurige gerettet werden.
Text: Jonas Egli
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